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Er kennt die Geschichte von Horrem und Dormagen wie wenige andere. Seit Jahrzehnten fotografiert Willi Goffart, kuratiert Ausstellungen und bewahrt in seinem Haus eine große Anzahl historischer Exponate auf. Wir sprachen mit dem Zeitzeugen und leidenschaftlichen Sammler.
Lesedauer: ca. 4 Minuten
Willi Goffart blättert gern in seinen Fotoalben und zeigt sie Interessierten. Eines seiner Herzensthemen ist die Geschichte Horrems in alten Ansichten des Ortes. Allein 1977 fotografierte er hier mit einer einfachen Kamera rund 250 Häuser und Straßen. Dreißig Jahre später wiederholte er die Aufnahmen an denselben Orten. Die Gegenüberstellungen wurden anlässlich der 850-Jahr-Feier im Bürgerhaus ausgestellt. Seine Leidenschaft für die Fotografie begann mit einem Geschenk seines Vaters: Zum 14. Geburtstag bekam Goffart eine Kleinbildkamera, eine Agfa Silette. Sie war von da an stets dabei.
Goffart kommt mit seinem unverkennbar herzlichen rheinischen Tonfall schnell ins Erzählen. Unzählige Geschichten aus Horrem kennt er noch aus eigener Erfahrung. Wo heute der Knechtstedener Hof liegt, befand sich früher ein Lebensmittelladen. Als Kind wurde Goffart dorthin zum Einkaufen geschickt. Die Straßen in Horrem waren damals noch ungepflastert, und einen Bus nach Dormagen gab es nicht. Rechts neben der Kirche lag die Bäckerei Hansen. „Da haben wir immer Brot geholt, leckeres Weißbrot!“, erinnert er sich.

Goffart wurde 1944 in Horrem geboren und ist dort aufgewachsen. Als Maler und Lackierer war er in zahlreichen Stadtteilen unterwegs und unter anderem für die Baugenossenschaft Dormagen tätig. Auch das Bayerwerk kennt er gut: 1976 begann er im Energielabor des Unternehmens, arbeitete später in weiteren Abteilungen. Zu dieser Zeit besaß auch er eines der heute legendären roten Bayer-Fahrräder.
Seine Mutter war die Tochter eines Schneidermeisters aus Horrem, der Vater stammte aus Düsseldorf und war zunächst im Kohlengeschäft, später als Handelsvertreter tätig. Als Ältester von fünf Geschwistern habe er es nicht immer leicht gehabt, erzählt Willi Goffart. In seiner Jugend sei er schüchtern gewesen. Das sollte sich später gründlich ändern.
Vor mehr als 60 Jahren zog Goffart in das ehemalige „Lehrerhaus“ in der Knechtstedener Straße ein. Der erste Lehrer soll dort 1910 gewohnt haben, weiß er. Bis heute lebt Goffart in dem verwinkelt wirkenden Haus. Es wirkt mehr wie ein kleines Museum oder Depot, beherbergt es doch seine umfangreichen Schätze, zahlreiche Sammelbilder und -alben. Zu fast jedem Stück weiß er eine Geschichte zu erzählen. Denn der umtriebige Senior hat nicht nur viele Exponate gesammelt, sondern drumherum auch einiges auf die Beine gestellt. Er arbeitete an Ausstellungen zu seinen Themen in der Region, in Köln und Berlin, Magdeburg und Dresden.
„Man nennt mich hier auch das Urgestein“, sagt er lächelnd. Seine Sammlung umfasst unter anderem Schilder, alte Stundenpläne und Lesezeichen. Über viele Jahre organisierte Goffart außerdem eine Tauschbörse, zu der sich ab 1992 Sammlerinnen und Sammler im Bürgerhaus in Horrem trafen. 18 Jahre fand die Börse unter seiner Regie statt.

Das Sammeln historischer Werbeschilder, auch als „Lexikon des kleinen Mannes“ bezeichnet, ist ein eigenes Fachgebiet. Goffart ist begeistert von den Schildern mit Zwölf-Farben-Druck. Ein Schwerpunkt seiner Sammlung sind die Bilder des Unternehmens Liebigs Fleischextrakt. „Wussten Sie, dass Liebig der Vorgänger von Maggi ist?“ Wie viele seiner eingestreuten Informationen war uns auch diese neu.
2023 war Goffart an einer Ausstellung in Gießen beteiligt, dem Forschungsstandort zu Justus von Liebig, dem deutschen Chemiker, der das Fleischkonzentrat entwickelt hat. Im Heimatarchiv Worringen wurde Goffarts Sammlung von Lesezeichen gezeigt. Eine Ausstellung zu konzipieren und zu betreuen, sei mit viel Arbeit verbunden, erklärt er. „Doch ich mache es gern, und wenn es nur eine Person erreicht, hat es sich gelohnt.“
Das Dormagener Urgestein verblüfft noch mit weiteren Geschichten aus seinem Leben: Früher betrieb er Leistungssport, reiste für einen Marathon nach New York und ging gern bergsteigen. Ach, das seien jeweils nur Phasen gewesen, sagt er. Dann, nachdenklich: „Wenn man das Ziel erreicht hat, sagt man sich: Mensch, es hat sich gelohnt.“
Der Satz passt auch zu seinen vielen Tätigkeiten: sammeln, auswählen, Ausstellungen gestalten – und Menschen mit dem Thema Geschichte erreichen.
Interview und Text: Bärbel Wegner, die Textpertin, Hamburg
Weitere Informationen:
Interne Links:
- Baugenossenschaft Dormagen eG
- Neues Stadtquartier Horrem
- 100 Jahre Zuhause schaffen – Die Baugenossenschaft Dormagen eG feiert 2026 Jubiläum
- Zeitzeugenbericht aus 100 Jahren Geschichte der BGD
- 100 Jahre BGD – Mitgliederfeier zum Jubiläum
- Das Jubiläumsbuch
- Die Ausstellung zum Jubiläum
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© Beitragsbild, Titelbild und Vorschaubild: Steven Haberland

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