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Die Eltern vieler Dormagener kamen vor Jahrzehnten aus dem Ruhrgebiet der Arbeit wegen in die Stadt, angeworben von den stark wachsenden Bayerwerken. Und viele blieben, gründeten Familien und brachten sich in die Nachbarschaft ein. So wie unsere Zeitzeugen Sigrid und Andreas Schlombach aus Horrem.
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Andreas Schlombach kam mit seiner Familie als Jugendlicher von Oberhausen nach Dormagen. Sigrid Schlombach ist „ein Horremer Kind“: Sie ist in dem Stadtteil aufgewachsen, den sie bis heute ihr Zuhause nennt. Dort haben sich die beiden im Alter von 16 und 14 Jahren auch kennengelernt, im Kastanienweg, quasi direkt vor der Haustür, und wurden ein Paar. Ähnlich erging es Jahre später ihrem Sohn Sebastian, dem seine Jugendliebe ebenfalls in der Nachbarschaft begegnete. Neben dem zweiten erwachsenen Sohn Dennis gehört heute außerdem die französische Bulldogge Kalle mit zur Familie.
Vom Ruhrgebiet nach Dormagen
Die Lebensläufe der Schlombachs sind typisch für die vieler Dormagener: Beider Eltern kamen aus dem Ruhrgebiet, die Väter hatten in Oberhausen „auf Zeche“ gearbeitet. Sie kamen zur Zeit des Zechensterbens wie so viele der Arbeit wegen nach Dormagen, angeworben von den stark wachsenden Bayerwerken. Und viele sind in der Region oder wie die Schlombachs in Horrem geblieben – unter anderem auch wegen der guten Nachbarschaft, von der sie gern erzählen.

Nachbarschaft und Gemeinschaft in Horrem
In den Neubauten der Genossenschaft ließ es sich 1989 gut leben: Die neuen Nachbarn kamen im Akazienweg schnell miteinander in Kontakt. Die Kinder spielten, die Erwachsenen grillten zusammen, man besuchte sich gern in den Wohnungen. Ein kurzes Klingeln und die Frage „Trinken wir einen Kaffee?“ waren stets ein Anlass für ein Schwätzchen. Saß man draußen, brachte jeder seinen Klappstuhl mit – abends auch „ein Bierchen“.
Die gute Nachbarschaft vermissten die Schlombachs anfangs nach ihrem Umzug in die Wohnung in der Heinrich-Meising-Straße; inzwischen ist es aber ähnlich freundschaftlich dort. Verwandte, gute Freunde und Bekannte der beiden wohnen in der Nähe. Außerdem sei es im Erdgeschoss sehr kommunikativ: „Es bleibt immer mal jemand am Zaun stehen und plaudert.“
Auf die Wohnung hatten sie mehrere Jahre gewartet – und es hat sich gelohnt: Sie ist mit Wintergarten und Balkon ausgestattet und hat sogar einen eigenen Garten. „Besser geht es nicht. Wir verreisen wenig, sind gern zu Hause und entspannen uns hier am liebsten.“
Arbeiten bei Bayer – ein Stück Dormagener Geschichte
Andreas Schlombach war zunächst als gelernter Bäcker tätig, bevor er 1990 bei Bayer als Arbeiter in der Kunststoffsparte begann. Dort arbeitet er bis heute. In seiner Abteilung wird aus Kunststoff Granulat hergestellt, das andere Firmen weiterverarbeiten. Inzwischen ist er nicht mehr direkt bei Bayer, sondern in einem ausgegliederten Unternehmen des Bayerkonzerns im Chempark tätig. „Sagte man früher: ‚Geh zu Bayer, da hast du einen sicheren Arbeitsplatz‘, gilt das heute nicht mehr“, merkt er an. Aus mehreren Säulen habe das Bayerwerk bestanden, nur eine sei übrig geblieben.

Doch Bayer habe Dormagen unbestreitbar geprägt und auch mit einigen Dingen besonders gemacht. So habe es bis vor etwa zwanzig Jahren noch ein gut ausgestattetes Bayer-Kaufhaus gegeben. Dort konnten die Mitarbeiter zu ermäßigten Preisen Dinge des täglichen Bedarfs erwerben, etwa Seife, Duschgel oder „Vitaminchen“, die beliebten Bonbons, erinnert sich das Paar. Die vielen Junggesellen unter den neuen Mitarbeitern konnten günstig in einfachen Unterkünften wohnen, scherzhaft „Bullenkloster“ genannt. Die dafür eingesetzten zwei Hochhäuser wurden vor Jahren abgerissen. Viele der früheren Singles hatten längst Familien gegründet; gleichzeitig war die intensive Anwerbephase der Bayer AG vorüber.
Lange Zeit gab es ein eigenes Casino, in dem die Familien essen gehen konnten. Auch eine Betriebskrankenkasse hielt die Bayer AG vor. All das existiert nicht mehr, ist mit der schwindenden Mitarbeiterzahl abgebaut worden. Nur das Bayerbad, das 1937 eröffnet und 1991/92 zur heutigen Römer-Therme um- und neugebaut wurde, habe überlebt. Da bekamen vor Jahren die Mitarbeiter Gutscheine für einen vergünstigten Eintritt.
Horrem bleibt Heimat
Die Schlombachs sind heute mit ihrem Leben zufrieden. Sie wohnen gern bei der Baugenossenschaft Dormagen und möchten Horrem nicht missen. Dennoch stellen sie kritisch fest, dass sich der Stadtteil verändert: „Früher war hier viel mehr los, es gab mehrere Geschäfte und mehr Kneipen.“ Doch inzwischen habe sogar der Edeka zugemacht. Sehr schade sei das, es werde anonymer dadurch. Immerhin, der Knechtstedener Hof sei noch geblieben. Da gehen sie öfter essen.

Weiterhin ist das Leben des Ehepaares von der Arbeit geprägt. Während Sigrid Schlombach den Haushalt versorgt, ist das große Werktor 1 auf dem Bayergelände der Einlass in den Arbeitstag für Andreas Schlombach. Er arbeitete bis vor einigen Jahren noch häufig in Wechselschicht und mochte daran besonders die Nachtschichten; als ehemaliger Bäcker, lacht er, sei er das gewohnt gewesen. Und vielleicht hat er sich gar nicht so weit entfernt: Bei seiner heutigen Tätigkeit wird ja ebenfalls Material geknetet und später verfestigt.
© Beitragsbilder, Titelbild und Vorschaubild: Baugenossenschaft Dormagen eG

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