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Fast 40 Jahre lang arbeitete Gisela Vassios für die Baugenossenschaft Dormagen in der Buchhaltung. 2019 erinnerte sie sich im Gespräch an vergangene Zeiten.
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Die Baugenossenschaft Dormagen hatte einen guten Ruf, erzählt Gisela Vassios, die dort 1965 ihren ersten Arbeitstag erlebte. Denn die BGD sorgte für notwendigen Wohnraum in großer Zahl: „Große Teile des heutigen Horrems hat die Genossenschaft damals aufgebaut.“ Gisela Vassios ist in Dormagen aufgewachsen, wusste über die Genossenschaft jedoch wenig. Und Dormagen endete für sie an der Bahnschranke des Bahnhofs in Horrem. „Dahinter war Ausland“, sagt sie lächelnd. Das sollte sich bald ändern, denn eine Freundin überzeugte die gelernte Bankkauffrau, sich bei der BGD zu bewerben. Sie wurde „vom Fleck weg angestellt, und das mit einem doppelt so hohen Gehalt“. Da war Gisela Vassios zwanzig Jahre alt.
Erste Arbeitstage und der Arbeitsalltag
Sie erinnert sich bis heute amüsiert an die ersten Arbeitstage, in denen sie noch nicht in der Buchhaltung eingesetzt wurde: „Ich musste Schreibmaschine schreiben, das konnte ich damals nicht, und habe, wenn die Kollegen mal den Raum verließen, jeweils schnell die vertippten Blätter ausgewechselt.“ Doch nach dem Wechsel in die Buchhaltung fühlte sie sich wohl und blieb dort fast vierzig Jahre lang – anfangs mit einer 42,5-Stunden-Woche. Bis in die 70er-Jahre wurde auch samstags gearbeitet. In den ersten Jahren ratterten in den Büros noch laute Maschinen. Die Maschine für die Tagesbuchhaltung stand deshalb sogar in einem separaten Raum, erinnert sie sich.
„Wir waren ein gutes Team, hatten Spaß bei der Arbeit und haben uns gegenseitig geholfen, wenn jemand viel zu tun hatte.“ Auch habe man gern gemeinsam gefeiert. „Als mein Vater Schützenkönig wurde und wir während des Schützenfestes in der Abteilung am Jahresabschluss arbeiten mussten, brachte meine Mutter Essen und Getränke für alle vorbei.“
Motivation durch Vorstand Heinrich Laier
Gisela Vassios weiß noch genau, dass sie sich, als ihr Sohn Michael geboren wurde, die Rentenbeiträge auszahlen lassen und zu Hause bleiben wollte – zeitgleich mit einer Kollegin in der gleichen Situation. Der Chef habe das verhindert: „Ihr seid doch nicht geboren, um zu Hause zu bleiben“, motivierte er seine Mitarbeiterinnen, die dann so bald wie möglich wieder im Büro arbeiteten. Nachträglich war Gisela Vassios sehr froh darüber.

Der genossenschaftliche Gedanke und herzliche Nachbarschaften
Die Mehrzahl der neu gebauten Wohnungen der 1960er-Jahre waren Werkswohnungen für die Bayer AG, die den enormen Wohnungsbau mit einem umfangreichen Kredit ermöglicht hatte. Damit verbunden waren Belegungsrechte. Die Mieter, die über den Konzern an die Wohnungen gelangten, verstanden sich zunächst kaum als Genossenschaftsmitglieder, zumal die Miete direkt vom Gehalt abgezogen wurde. Das Positive daran: „Mietrückstände gab es damals keine“, schildert Gisela Vassios. Als nach rund zwanzig Jahren die Belegungsrechte ausliefen, mussten die Mieter „erst einmal lernen, ihre Miete selbst zu bezahlen“. Es habe lange gedauert, bis alle einen Dauerauftrag oder ein Lastschriftverfahren eingerichtet hatten.
In guter Erinnerung hat Gisela Vassios die Gemeinschaft, die viele Jahrzehnte im Karree (siehe Chronik, Seite 14) der Häuser an der Nettergasse, der Heinrich-van-Achten-Straße, der Heimbachstraße und der Jussenhovener Straße bestand: „Die Mieter dort hatten alle ein enges Verhältnis, feierten Straßen- und Sommerfeste und waren durch den Schützenverein verbandelt.“ Am Wochenende hätten sich die Familien in den vor Jahrzehnten zahlreich vorhandenen Gaststätten getroffen. „Wenn mal eine Familie fehlte, wurde gleich nachgefragt, ob jemand krank oder im Urlaub sei.“ Man duzte und vertraute sich, überließ einander den Wohnungsschlüssel, wenn etwas anlag. Es war damals auch deshalb schwer, eine Wohnung bei der Genossenschaft zu bekommen: „Alle wollten dort wohnen, es war etwas Besonderes.“
Arbeitgeber mit Fahrrad – Arbeiten bei der Bayer AG
Ehemann Theodoros Vassios ist Grieche und kam 1961 mit den ersten sogenannten Gastarbeitern nach Dormagen. Was anfangs nicht zu ahnen war, als er bei Gisela Deutschunterricht nahm: Beide wurden später ein Ehepaar. Vassios erlernte den Beruf des Elektrikers und war viele Jahre bei der Bayer AG beschäftigt. „Bayer war ein sicherer Arbeitgeber und direkt vor Ort“, sagt Gisela Vassios. „Die meisten konnten mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.“
Die Bayer-Fahrräder wären eine eigene Story wert: Von Bayer gestellt, hatten leitende Mitarbeiter rote Fahrräder. Sie rollten vielfach durch die Stadt. Alle Räder waren mit Nummern versehen – diese Fahrräder musste man in Dormagen nicht abschließen.
Zwölf Jahre Bauen auf der grünen Wiese
Innerhalb von vier Jahren hatte die Genossenschaft in Horrem-Nord 480 Wohnungen errichtet und den Stadtteil im Norden bis zur Autobahn erweitert. Diese wurde damals parallel zum Stadtteil gebaut und 1966 das erste Teilstück von Neuss bis Dormagen eröffnet. Auch in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts verlangsamte sich das Wachstum in der Stadt nicht und die Bauvorhaben der Genossenschaft in Horrem liefen weiter. Im Frühjahr 1968 war der Bau einer Wohnanlage im Akazienweg 9–21 mit 95 Wohnungen abgeschlossen und von März bis Juni konnten die ersten Bewohner dort einziehen. Damit war der westliche Teil Horrems auf die heutige Größe angewachsen und die nächsten Bauprojekte konzentrierten sich jetzt auf den Bereich östlich der Weilerstraße zu den Bahngleisen hin. An der Buchenstraße 9–21 und im Eichenweg 2–7 entstand 1969 eine größere Siedlung mit 206 Wohnungen in zwei- bis dreigeschossigen Zeilenhäusern sowie drei achtgeschossige Hochhäuser, die bis heute den markanten Abschluss des Stadtteils im Norden bilden. Zwischen 1971 und 1973 kamen noch fünf Häuser mit 120 Wohnungen in der Buchenstraße und am Ahornweg hinzu.
Entnommen aus: 100 Jahre Baugenossenschaft Dormagen eG
© Beitragsbilder, Titelbild und Vorschaubild: Baugenossenschaft Dormagen eG

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