
Infos, Berichte, Tipps & vieles mehr…

Bernhard Schmitt ist seit 2006 im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Dormagen aktiv. Er gilt auch in der Dormagener Stadtpolitik als geschätzter Gesprächspartner und ist Träger des goldenen Ehrenringes der Stadt. Ausgezeichnet wurde er unter anderem für sein Engagement im Dormagener Stadtrat. Gelernt und gearbeitet hat er viele Jahre bei der Bayer AG. Bernhard Schmitt ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Dormagen. Im Gespräch blickt er auf einige wichtige Momente zurück.
Lesedauer: ca. 3 Minuten
Herr Schmitt, Sie sind Jahrgang 1955 und langjähriger Dormagener, waren Mitarbeiter bei Bayer und sind in der Genossenschaft aktiv. Aber fangen wir mal vorne an. Wo sind Sie aufgewachsen und wie kamen Sie in den Beruf?
Ich bin in Trier geboren und als Sohn eines ehemaligen Eisenbahners in Dormagen mit sechs Geschwistern aufgewachsen. In Horrem habe ich die Schule besucht und bin wie viele andere bereits mit 14 Jahren „beim Bayer“ ins Berufsleben gestartet. Nach der Ausbildung zum Dreher machte ich meinen Meister und absolvierte später eine interne Fortbildung zum Betriebsingenieur.
Viele Jahre boomte die Bayer AG, die 1917 gegründet und die 1957 zusammen mit der Deutschen BP in Dormagen die Erdölchemie GmbH aufgebaut hat. Wie wirkte sich das aus?
Bayer vergrößerte sich innerhalb von zehn Jahren von 4.000 Mitarbeitern auf rund 10.000 und warb im ganzen Land Arbeitskräfte an. Man ging quasi morgens zum Vorstellungsgespräch und trat abends bereits den Job an. Fast alle meine Bekannten haben bei Bayer oder einer Bayertochter gearbeitet. Man verdiente gut, doch die Neubürger, darunter viele Junggesellen, verreisten nicht. Die wenigsten hatten damals ein Auto. Das Geld wurde in Dormagen ausgegeben. Auch gern im Dormagener Nachtleben (lacht). Es gab einige Jahre mehrere Diskotheken und etwa 50 bis 60 Kneipen in Dormagen. Ich erinnere mich gerne das Old Daddy oder die Silver Ranch.
Sie waren als Arbeitnehmervertreter aktiv, wurden Betriebsratsmitglied, zuletzt stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. In den Aufsichtsrat der BGD kamen Sie 2006. Wie kam es dazu?
Die neuen Mitarbeiter benötigten Wohnraum und Wohnen war ein zentrales Thema bei den Bayerwerken. Bayer besaß Anteile der Baugenossenschaft Dormagen, mit denen Belegungsrechte verbunden waren. Der Betriebsratsvorsitzende und ein weiteres Mitglied der Bayerwerke waren stets im Aufsichtsrat der Genossenschaft vertreten.
Das war für mich keine Pflichtübung. Als Sozialdemokrat ist mir bis heute die Entwicklung der Genossenschaft auch eine Herzensangelegenheit: Der Neubau von Wohnungen, deren Instandhaltung und bezahlbare Mieten spielen eine große Rolle in Dormagen. Das Wichtigste ist für mich, dass alle Generationen in ihrem Stadtteil wohnen können und die Älteren bleiben können – auch wenn sich die Bedürfnisse geändert haben. Dafür schaffen wir die Möglichkeiten.

Was hat sich geändert in 20 Jahren Engagement im Aufsichtsrat?
Die Aufgaben des Aufsichtsrats haben sich mit den Jahren nicht geändert, wohl aber die Arbeit mit dem Vorstand. Dessen Wechsel 2010 war ein Wendepunkt. Der neue Vorstand, bestehend aus Martin Klemmer und Axel Tomahogh-Seeth, letzterer bis 2024 im Vorstand, hat vieles angepackt. Auch die Kandidatensuche war ein spannender Prozess, der Aufsichtsrat hat mit vielen Bewerbern gesprochen. Besonders war, dass ab 2010 zum ersten Mal ein zweiköpfiger Vorstand agieren sollte. Die Unterschiedlichkeit von zwei Vorständen ist bis heute von Vorteil. Beide sind ja in jeweils anderen Bereichen qualifiziert.
Wie läuft die Zusammenarbeit?
Der Aufsichtsrat arbeitet mit dem Vorstand eng zusammen. Es werden aktuelle Themen lebhaft diskutiert und Projekte auch kritisch hinterfragt. Auch die Überwachung der Entscheidungen des Vorstandes ist ein zentrales Thema für den Aufsichtsrat. Doch all das erfolgt in einer konstruktiven Atmosphäre.
Sie haben viele Projekte der Baugenossenschaft begleitet. Welche Meilensteine möchten Sie hervorheben?
Da gibt es mehrere. Besonders finde ich den Wohnungsneubau mit 60 Wohnungen plus Stadthäuser auf dem Gelände des alten Wochenmarktes in Dormagen-Mitte, wo auch die ersten einfachen Wohnungen der Baugenossenschaft gebaut wurden.
Beeindruckend war außerdem die Entstehung des Campus Weilerstraße in Horrem. Die alte Geschäftsstelle war in die Jahre gekommen, man wollte neue Mitarbeiter gewinnen und entschied sich auch deshalb für ein modernes Bürogebäude, hatte aber zugleich die Bedürfnisse älterer Mitglieder im Blick und baute Seniorenwohnungen auf dem Gelände.

Sie waren und sind nicht nur im Aufsichtsrat der Genossenschaft aktiv, sondern auch in etlichen Vereinen wie z.B. der Arbeiterwohlfahrt Dormagen und anderen Gremien. Allein von 1994 bis 2025 gehörten Sie dem Stadtrat Dormagen an. Dafür wurden Sie bereits mit dem goldenen Ehrenring der Stadt ausgezeichnet. Was treibt Sie an?
Man kann etwas bewirken, wenn man sich engagiert! Ob im Aufsichtsrat des kommunalen Energieversorgers oder bei der Verkehrsgesellschaft Dormagen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Bei der Baugenossenschaft ist es der Blick auf das große Ganze, der mich fasziniert – wir investieren die Mieten in die Substanz und in den Wohnungsbestand für zukünftige Generationen. Und Vorstand und Aufsichtsrat setzen sich zusammen für die Gemeinschaft ein.#
Was beschäftigt Sie 2026 bei der BGD, was steht auf Ihrer Agenda?
Die erfolgreiche Durchführung und Fertigstellung des 1. Bauabschnitts des Stadtquartiers Horrem und natürlich das 100-jährige Bestehen der Baugenossenschaft, das wir in diesem Jahr feiern. Dieses Jubiläum ist auch eine Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen, die Genossenschaft in die Zukunft zu führen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Bärbel Wegner
© Beitragsbild 1, Titelbild und Vorschaubild: Baugenossenschaft Dormagen eG
© Beitragsbild 2: Schmitt

AKTUELLES:






