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Die erste Wohnung hatte kein Badezimmer, aber einen Balkon. Die nächste hatte da schon mehr zu bieten. Als Gertrud Moris 100 Jahre alt wurde, erzählte sie 2018 vom Wohnen bei der Baugenossenschaft Dormagen (BGD). Über 75 Jahre war sie Mitglied und lebte mit ihrer Familie in ganz unterschiedlichen BGD-Wohnungen.
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1940 kam Gertrud Moris von Koblenz nach Dormagen, nachdem ihr Mann eine Anstellung bei der Bayer AG bekommen hatte. An das „Dorf mit Schotterstraßen“, wie sie es später nannte, musste sie sich erst gewöhnen. „Hier bleibe ich nicht, dachte ich damals.“ Einfach sei die Anfangszeit nicht gewesen. Zwar sei sie meist freundlich aufgenommen worden, doch „wenn einer fremd nach Dormagen kam, war er oft nicht gut gelitten“.
Wohnraum war damals äußerst knapp. Auch die Baugenossenschaft Dormagen verfügte nur über 122 Wohnungen. „Jeder hat zu dieser Zeit eine Wohnung gesucht. In Dormagen war immer Wohnungsnot“, erinnerte sich die alte Dame. Wie so vielen ging es auch ihr seinerzeit darum, überhaupt erst mal eine Wohnung zu haben; die Ansprüche an Komfort waren gering.
Die Mansardenwohnung in der Nettergasse
1942 zog sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in eine Mansardenwohnung der BGD in der Nettergasse. „Wir waren sehr froh darüber. Es gab zwei Zimmer und eine gut geschnittene Kochküche, in der ich einen großen Herd, einen Schrank und einen Tisch mit drei Stühlen untergebracht habe. Ein Metallspülbecken gab es auch.“ Die Toilette lag eine halbe Treppe tiefer, ein Badezimmer war nicht vorhanden, dafür aber ein Balkon. „Die Miete hat 20 Reichsmark und 50 Pfennig gekostet.“
Die kleineren Kinder schliefen im Schlafzimmer der Eltern, die größeren im Wohnzimmer. „Gebadet wurde jeden Samstag in einer Zinkwanne in der Waschküche. Dazu musste man sich mit den anderen Hausbewohnern absprechen.“
1945 zog die Familie in eine schon größere Zweizimmerwohnung in der Heimbachstraße. Auch dort wurde noch mit Kohle und Briketts geheizt . „Die Räume waren ziemlich groß, aber mir hat das Kinderzimmer gefehlt. Wir hatten ja vier Kinder.“

Dreizimmerwohnung und eine Waschmaschine
1962 folgte der Umzug in eine Dreizimmerwohnung in der Ubierstraße, wo 1954 neue Wohnungen entstanden waren. Hier gab es endlich genug Platz, eine Nachtspeicherheizung wurde selbst finanziert und die Wirtschaftswunderzeit ermöglichte weitere, manchmal kostspielige Neuerungen. Für Gertrud Moris zählte dazu etwa der Kauf einer ersten vollautomatischen Waschmaschine 1963: „Die hatte damals 1.500 Mark gekostet“ – und brachte für die Hausarbeit eine enorme Erleichterung.
Es waren entspannte Zeiten: Mit den Nachbarn im Vier-Parteien-Haus und darum herum habe man sich gut verstanden und gemeinsam viele Geburtstage gefeiert. Die Enkelin habe später gescherzt: „Bei der Oma gab es immer Sektfrühstück.“

Gute Nachbarschaft am Campus Weilerstraße
Seit 2015 lebte Gertrud Moris in einer Seniorenwohnung am „Campus Weilerstraße“ und freute sich über die nette Gemeinschaft: „Ein Nachbar bringt mir zum Beispiel immer meine Zeitung und den anderen Nachbarn Brötchen mit. Oder wenn eine Nachbarin Kuchen backt, bekomme ich auch ein paar Stücke. Wir laden uns auch gegenseitig zum Kaffee ein.“
Sie fühle sich sehr wohl dort, erzählte das wohl älteste Mitglied der Genossenschaft. Sie ist gewiss eine der wenigen, die das Wohnen bei der BGD quasi im Wandel der Zeitgeschichte miterlebt haben – vom Baden in der Zinkwanne im Keller bis zum barrierefreien Wohnen im Neubau mit Aufzug.
Text Bärbel Wegner
© Beitragsbild: © Baugenossenschaft Dormagen eG
© Titelbild und Vorschaubild: © Baugenossenschaft Dormagen eG

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