
100 Jahre BGD - Wiedervereinigung und Gründung der GmbH

Der Wegfall der Wohnungsgemeinnützigkeit 1990 führte bei der Baugenossenschaft Dormagen eG zu einer organisatorischen Neuausrichtung mit der Gründung einer Tochter-GmbH, ohne die genossenschaftlichen Grundwerte aufzugeben. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Genossenschaft durch umfangreiche Bauprojekte, steigende Mitgliederzahlen und ein konsequentes Bekenntnis zu sozial verantwortbarem Wohnraum kontinuierlich weiter.
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Wiedervereinigung und Gründung der GmbH – 1990 war nicht nur zwischen Ost und West von Veränderungen geprägt: Das Ende der Wohnungsgemeinnützigkeit war für alle gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften ein tiefer Einschnitt
Der Jahreswechsel 1990 war nicht nur aufgrund des Wegfalls der Reisebeschränkungen zwischen Ost- und Westdeutschland am 9. November 1989 von besonderen äußeren Veränderungen geprägt. Nach jahrelangen Diskussionen war das Ende der Wohnungsgemeinnützigkeit in seiner bisherigen Form zum 1. Januar 1990 ein tiefer Einschnitt für alle gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften.

Strukturwandel durch das Ende der Wohnungsgemeinnützigkeit
Der Wegfall der gesetzlichen Wohnungsgemeinnützigkeit zum 1. Januar 1990 stellte einen bedeutenden Einschnitt für alle Wohnungsbaugenossenschaften, darunter auch für die Baugenossenschaft Dormagen eG, dar. Nach jahrelangen politischen Diskussionen wurde das Gemeinnützigkeitsgesetz von 1940 im Zuge der Steuerreform aufgehoben. Während die Wohnungsvermietung weiterhin steuerlich begünstigt blieb, wurden andere Geschäftsfelder steuerpflichtig. Für die Dormagener Genossenschaft bedeutete dies zunächst Unsicherheit, zugleich aber auch erhöhte Rechts- und Planungssicherheit. Die genossenschaftlichen Grundwerte, wie soziale Verantwortung, Mitgliederförderung und demokratische Selbstverwaltung, blieben dabei unangetastet.
Im Rückblick lässt sich feststellen, dass der Wegfall der gesetzlichen Gemeinnützigkeit zwar eine tiefgreifende Reform herbeiführte, die Wohnungsgenossenschaften jedoch ihre traditionellen Werte bewahren und ihr Engagement für bezahlbaren Wohnraum fortsetzen konnten.

Gründung der Dormagener Wohnungsbau Gesellschaft mbH
Als Reaktion auf die veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen beschlossen Vorstand, Aufsichtsrat und Mitgliederversammlung 1990 eine organisatorische Neuausrichtung. Die gemeinnützige Baugenossenschaft wurde in eine Vermietungsgenossenschaft überführt, während der Geschäftszweig zur Schaffung und Betreuung von Eigenheimen und Mietwohnungen in eine neu gegründete, hundertprozentige Tochter-GmbH ausgelagert wurde. Die Dormagener Wohnungsbau Gesellschaft mbH wurde am 27. November 1990 offiziell ins Handelsregister beim Amtsgericht Neuss eingetragen. Sie übernahm fortan Aufgaben wie Neubauprojekte, Modernisierung, technische Instandhaltung der Gebäude, Wohnungsverwaltung, Finanz- und Rechnungswesen sowie Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Beide Unternehmen blieben eng miteinander verbunden und dem sozialen Auftrag der Genossenschaft verpflichtet.
Wachstum, Bauprojekte und Mitgliederentwicklung in den 1990er Jahren
In den 1990er Jahren verlagerte sich der Fokus der Baugenossenschaft Dormagen eG zunehmend auf größere Mietwohnungsprojekte und Siedlungsbauten. Neubauten entstanden unter anderem in Hackenbroich, Horrem, Dormagen, Nievenheim sowie später auch in Erftstadt, Rösrath und Neuss. Der Wohnungsbestand wuchs von rund 1.400 Wohnungen im Jahr 1990 auf mehr als 1.600 Wohnungen Mitte der 1990er Jahre und erreichte bis zum Jahr 2000 mehr als 2.200 Wohnungen. Parallel dazu stieg die Mitgliederzahl deutlich an und überschritt Ende 1995 erstmals die Marke von 1.000 Mitgliedern. Auch wirtschaftlich entwickelte sich die Genossenschaft dynamisch, was sich unter anderem in einer stark wachsenden Bilanzsumme widerspiegelte.
Heinrich Laier prägte sowohl die Genossenschaft als auch die Stadt Dormagen und besonders den Stadtteil Horrem.
Kontinuität, Jubiläen und Anpassungsfähigkeit bis 2010
Trotz zahlreicher personeller Wechsel in Vorstand und Aufsichtsrat gelang es der Baugenossenschaft Dormagen eG, ihre Handlungsfähigkeit und Stabilität zu sichern. Prägende Persönlichkeiten wie Heinrich Laier hinterließen bleibende Spuren in der Entwicklung der Genossenschaft. Das 75-jährige Jubiläum im Jahr 2001 wurde mit einem großen Mieterfest in Horrem und einer Festschrift gefeiert und machte das starke Gemeinschaftsgefühl sichtbar. Auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten, etwa während der frühen 2000er Jahre und der globalen Finanzkrise ab 2008, hielt die Genossenschaft an ihrem Auftrag fest. Durch eine vorsichtige Projektplanung, den Ausbau öffentlich geförderten Wohnraums und erste Seniorenwohnanlagen bewies sie ihre Anpassungsfähigkeit und setzte ihr Engagement für eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung ihrer Mitglieder fort.
Die Vorstände von 1990–2010
Werner Möckel (1969–1992)
Werner Möckel wurde im Dezember 1969 in den Vorstand der Baugenossenschaft Dormagen gewählt. Er folgte auf den verstorbenen Johannes Bock und sorgte als Mitglied des Gemeinderats für eine enge Verbindung zwischen kommunaler Verwaltung und Genossenschaft. Im Sommer 1988 übernahm Werner Möckel die Geschäftsführung der Baugenossenschaft. Bis Ende 1992 war er als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer tätig und begleitete in dieser Zeit grundlegende organisatorische Veränderungen, darunter die Fusion mit der Delrather Genossenschaft. Nach insgesamt 23 Jahren Vorstandstätigkeit legte Werner Möckel im Frühjahr 1992 sein Vorstandsmandat nieder. Seine Amtszeit steht für Kontinuität und für den Übergang zu einer neuen Führungsstruktur.
Ulrich Laier (1990–2009) und Vertreter im Amt (bis 2010)
Ulrich Laier wurde im Januar 1990 als einfaches Mitglied in den Vorstand der Baugenossenschaft Dormagen berufen. In dieser Phase wirkte er an der Neuordnung der Führungsgremien mit und begleitete die organisatorische Weiterentwicklung der Genossenschaft sowie die Gründung der Dormagener Wohnungsbau GmbH. Ulrich Laier war der Sohn des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Heinrich Laier. Seine Tätigkeit als Vorstand begann jedoch vor dem vollständigen Rückzug seines Vaters und war Teil einer klar geregelten Übergangsphase innerhalb der Genossenschaft. Im Jahr 2000 übernahm Ulrich Laier den Vorsitz des Vorstands. Während seiner Amtszeit verantwortete er die wirtschaftliche und organisatorische Führung der Baugenossenschaft und begleitete Maßnahmen in Neubau, Bestandsentwicklung und Struktur.
Vertreter im Amt bis 2010
Bereits bei der Mitgliederversammlung im Juni 2009 wurde Ulrich Laier krankheitsbedingt von Hans Schäfers vertreten, der den Geschäftsbericht erläuterte. Bis zu seinem Tod im August 2009 blieb Ulrich Laier Mitglied des Vorstands. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen Hans Schäfers gemeinsam mit Ralf Bohlmann aus der Finanz- und Rechnungsabteilung der Tochter-GmbH bis zum Frühjahr 2010 vertretungsweise die Aufgaben in Geschäftsführung und Vorstandsarbeit.
Martin Klemmer (seit 2010)
Dipl.-Ing. Architekt (FH) Martin Klemmer stammt aus Köln und gehört seit dem Jahr 2010 dem Vorstand der Baugenossenschaft Dormagen eG an. Er verantwortet den technischen Bereich und prägt seitdem maßgeblich die bauliche und infrastrukturelle Entwicklung der Genossenschaft. Nach seinem Architekturstudium an der Fachhochschule Köln war er in Architekturbüros sowie in leitenden Funktionen bei der GAG Immobilien AG tätig, wo er umfangreiche Erfahrungen im Neubau, in der Modernisierung und in der technischen Bewirtschaftung von Wohnungsbeständen sammelte. In seiner Vorstandstätigkeit setzt Martin Klemmer auf eine nachhaltige, zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Wohnungsbestands und auf den Einsatz moderner technischer und digitaler Lösungen. Seit November 2016 engagiert er sich zudem im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsunternehmen in Düsseldorf und der Region (AG:WD) und wirkt dort an der fachlichen Vernetzung der Wohnungswirtschaft mit.
Axel Tomahogh-Seeth (2010–2024)
Axel Tomahogh-Seeth war von 2010 bis 2024 Mitglied des Vorstands der Baugenossenschaft Dormagen eG und verantwortete den kaufmännischen Bereich. Als Diplom-Sozialökonom und Diplom-Volkswirt prägte er die wirtschaftliche und strategische Entwicklung der Genossenschaft und setzte sich insbesondere für finanzielle Stabilität, Transparenz und die Stärkung genossenschaftlicher Werte ein. Darüber hinaus engagierte er sich auf Verbands- und Gremienebene in der Wohnungswirtschaft und begleitete wichtige Entwicklungsprojekte der Baugenossenschaft über viele Jahre hinweg. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich auch als Beiratsmitglied des MeinFairmieter e. V. und setzte sich für eine sachkundige Auseinandersetzung mit wohnungswirtschaftlichen Themen ein.
Realisierung von Bauprojekte in Dormagen, Erftstadt-Liblar, Rösrath und Neuss von 1990 bis 2010
Zu Beginn der 1990er Jahre wurden von der Baugenossenschaft Dormagen eG größere Mietwohnungsprojekte umgesetzt. In Hackenbroich entstand in der Christoph-Hufeland-Straße 2–10 eine Wohnanlage mit fünf dreigeschossigen Backsteinhäusern und ausgebauten Dachetagen. Das Projekt wurde auf 60 Wohnungen erweitert und mit 60 Stellplätzen ergänzt. In Horrem schloss die Genossenschaft 1990/91 den Bau von 28 Mietwohnungen in der Buchenstraße und im Fichtenweg ab.

Ein weiteres Bauprojekt folgte ab 1993 im Fichtenweg 15–25 in Horrem. Dort entstand eine offene Wohnsiedlung aus fünf Häusern mit insgesamt 75 Wohnungen und einer Tiefgarage. Ergänzend dazu wurden in der Buchenstraße 5–7 durch die Aufstockung eines bestehenden Flachbaus 13 zusätzliche Wohnungen in Horrem geschaffen, die Anfang 1994 von den neuen Mietern bezogen werden konnten.
Mitte der 1990er Jahre realisierte die Genossenschaft eines ihrer größten Vorhaben im Dormagener Stadtgebiet. Auf dem Areal zwischen der Ostpreußenallee 9–13 und der Stettiner Straße 2–10 entstand ab 1995 eine Wohnsiedlung mit zwölf Häusern, 175 Mietwohnungen und rund 230 Tiefgaragenstellplätzen. Parallel baute die Dormagener Wohnungsbau Gesellschaft mbH an der Stettiner Straße 1 und der Pommernallee 24–28 einen Häuserblock mit 61 Eigentumswohnungen und Gewerberäumen im Erdgeschoss.
Weitere Dormagener Projekte folgten unter anderem in der Heesenstraße 5–7 mit 16 öffentlich geförderten Wohnungen (1998), im Lavendelweg 2–10 im Stadtteil Rheinfeld mit 36 Wohnungen sowie in der Knechtstedener Straße 28 mit einem Wohn- und Geschäftshaus mit insgesamt 36 Wohnungen. In den Jahren 2007 und 2008 entstanden zudem geförderte Neubauten in der Krefelder Straße 35 (Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen) und in der Rheinfelder Straße 1–5 mit vier Häusern und 21 Wohnungen.
Ab Mitte der 1990er Jahre dehnte die Baugenossenschaft ihre Bautätigkeit auch auf andere Städte aus. In Erftstadt-Liblar entstanden in der Willy-Brandt-Straße 96–106 drei Wohnblöcke mit 86 Wohnungen. In Rösrath realisierte sie mehrere Projekte, darunter Wohnhäuser in der Scharrenbroicher Straße 57–59 und 117–121, eine Seniorenwohnanlage in der Carl-Orff-Straße 22 mit insgesamt 34 Wohnungen sowie ein Wohnhaus mit 49 Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten in der Arnold-Schönberg-Straße 2.
In Neuss wurde die Genossenschaft ab 2001 insbesondere im Stadtteil Allerheiligen aktiv. Dort entstanden Wohnanlagen an der August-Macke-Straße, der Ewald-Malzburg-Straße und der Ewald-Mataré-Straße sowie später weitere Häuser in der August-Macke-Straße 67–77. Ergänzt wurden diesen Bauprojekte durch ein barrierefreies Seniorenwohnprojekt in der Johann-Bugenhagen-Straße in Neuss-Uedesheim.
Fragen & Antworten
Die Baugenossenschaft Dormagen eG stand 1990 bis 2010 im Zeichen der Wiedervereinigung und setzte in dem Zeitraum zahlreiche Bauprojekte um. Ein besonderer Meilenstein war das 75-jährige Jubiläum der Genossenschaft.
Warum war das Jahr 1990 ein Wendepunkt für die Baugenossenschaft Dormagen eG?
Mit dem Wegfall der gesetzlichen Wohnungsgemeinnützigkeit zum 1. Januar 1990 änderten sich die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Während die Vermietung von Genossenschaftswohnungen weiterhin steuerlich begünstigt blieb, wurden andere Geschäftsfelder steuerpflichtig. Dies machte eine strukturelle Neuordnung erforderlich, bedeutete für die Genossenschaft aber zugleich mehr Rechts- und Planungssicherheit.
Welche Rolle spielt die Dormagener Wohnungsbau Gesellschaft mbH?
Die Dormagener Wohnungsbau Gesellschaft mbH wurde 1990 als hundertprozentige Tochter der Genossenschaft gegründet. Sie übernahm fortan Aufgaben wie Neubau, Modernisierung, technische Instandhaltung, Wohnungsverwaltung sowie Finanz- und Rechnungswesen. Die Baugenossenschaft selbst konzentrierte sich auf ihre Rolle als Vermietungsgenossenschaft und als demokratische Organisation ihrer Mitglieder.
Wie entwickelte sich die Baugenossenschaft Dormagen eG in den Jahren danach?
In den 1990er und 2000er Jahren wuchs die Genossenschaft deutlich. Der Wohnungsbestand und die Mitgliederzahl nahmen stark zu, insbesondere durch größere Neubauprojekte in Dormagen und der Region. Trotz wirtschaftlicher Schwankungen und organisatorischer Veränderungen blieb die Genossenschaft ihrem sozialen Auftrag treu. Jubiläen wie das 75-jährige Bestehen im Jahr 2001 unterstrichen die Kontinuität, Stabilität und Anpassungsfähigkeit des genossenschaftlichen Modells.
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