
100 Jahre BGD - Neue Herausforderungen

Zwischen 1976 und 1989 stand die Baugenossenschaft Dormagen vor veränderten wohnungswirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Rückgang staatlicher Förderungen, steigende Anforderungen an den Wohnungsbestand und organisatorische Veränderungen bestimmten diese Zeit. Durch Fusion, gezielte Modernisierung und ausgewählte Neubauprojekte gelang es der Genossenschaft, ihren Bestand zu sichern und ihre Rolle als verlässlicher Wohnungsanbieter weiterzuentwickeln.
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Neue Herausforderungen – Bis 1966 waren die Jahre arbeitsintensiv und von Wachstum geprägt – 10 Jahre später sah die Situation deutlich anders aus
Obwohl die gemeinnützige Wohnungswirtschaft seit den 1960er Jahren immer tiefer in eine Krise geriet und auf Bundesebene der Anteil bei den Neubauten stetig sank, war davon bei der Baugenossenschaft in Dormagen zunächst wenig zu spüren. Mit dem Bau der Wohnsiedlungen in Horrem waren die Jahre von 1960 bis 1965/66 so arbeitsintensiv und von Wachstum geprägt wie nie zuvor. Zehn Jahre später sah die Situation deutlich anders aus und der Rückgang der öffentlichen Fördermittel war deutlich zu spüren.

Wohnungswirtschaftlicher Einschnitt und veränderte Förderpolitik
Mitte der 1970er Jahre änderten sich die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau grundlegend. Erstmals bestand in der Bundesrepublik statistisch ein Gleichstand zwischen Haushalten und Wohnungen. Die Bundespolitik betrachtete die Wohnungsfrage damit als gelöst und zog sich schrittweise aus der Förderung des Mietwohnungsbaus zurück. Stattdessen wurde der Bau von Eigenheimen stärker unterstützt. Für die Baugenossenschaft Dormagen hatte diese Entwicklung unmittelbare Folgen, da neue Mietwohnungsprojekte dadurch kaum noch finanziert werden konnten. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf Eigenheime sowie auf die Sanierung und Modernisierung des vorhandenen Bestands. Förderinstrumente wie das Wohnungsmodernisierungsgesetz von 1977 und das nordrhein-westfälische Wohnungspflegegesetz von 1983 boten hierfür weiterhin finanzielle Spielräume.
Dabei wurde besonders vonseiten der Stadtverwaltung die wichtige Rolle der Genossenschaft bei der Entwicklung der gesamten Gemeinde betont und ‚für ihre Arbeit zum Wohle vor allem der arbeitenden Menschen‘ gedankt.

Fusion, Jubiläum und neuer Hauptsitz
Das Jahr 1976 war organisatorisch von besonderer Bedeutung. Mit der Fusion mit dem Bauverein Eigenbau aus Delrath wuchs der Wohnungsbestand deutlich an, zugleich erhöhte sich der Verwaltungsaufwand erheblich. Die Übernahme von Akten, Objekten und Abläufen erwies sich als komplexer als erwartet. Parallel dazu bereitete die Genossenschaft den Umzug ihrer Geschäftsstelle vor. Bereits 1974 hatte sie den historischen Horremer Hof an der Weilerstraße erworben. Der Umbau verzögerte sich unter anderem durch einen im Erdreich entdeckten Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund der Fusion mit dem Delrather Bauverein Eigenbau und dem verspäteten Umzug der Verwaltung in den neuen Hauptsitz, erhielt das 50-jährige Jubiläum der Genossenschaftsgründung im Dezember 1976 nicht die verdiente Aufmerksamkeit. Die feierliche Eröffnung der neuen Geschäftsstelle am 9. September 1977 wurde schließlich mit dem fünfzigjährigen Jubiläum der Genossenschaft verbunden.
Bestandspflege, Modernisierung und steigende Investitionen
In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt der Tätigkeit deutlich auf die systematische Modernisierung des Wohnungsbestands. In zahlreichen Siedlungen wurden neue Fenster mit Isolierverglasung eingebaut, Heizungsanlagen erneuert und technische Standards angehoben. Diese Maßnahmen dienten nicht nur der Werterhaltung, sondern reagierten auch auf gestiegene Ansprüche an Wohnkomfort.
Die Investitionen erreichten zeitweise Beträge im Millionenbereich. Besonders in Horrem, Dormagen Mitte und den älteren Siedlungen wurde der Bestand auf einen zeitgemäßen Stand gebracht.
Heinrich Laier war ohne Frage für mehr als drei Jahrzehnte eine der prägendsten Personen der Genossenschaft.
Personalwechsel und gesellschaftlicher Wandel
Auf Leitungsebene blieb die Genossenschaft lange stabil aufgestellt. Anfang der 1980er Jahre begann jedoch ein schrittweiser Generationenwechsel. 1981 schied Wilhelm Remberg altersbedingt aus dem Vorstand aus. Ein besonderes Ereignis war das fünfundzwanzigjährige Dienstjubiläum von Geschäftsführer Heinrich Laier im Jahr 1982, dessen Wirken die Entwicklung der Genossenschaft über Jahrzehnte im Wesentlichen geprägt hatte. Zugleich spiegelten sich gesellschaftliche Veränderungen auch in den Gremien wider. Mitte der 1970er Jahre wurden erstmals Frauen in den Aufsichtsrat gewählt und wirkten dort über viele Jahre aktiv mit.
Die Vorstände von 1976–1989
Heinrich Laier(1960–1989)
In der Chronik zum 75. Jubiläum der BGD im Jahre 2001 wurde Heinrich Laier als „Seele der Genossenschaft“ bezeichnet. Er hatte von 1960 – 1989 fast 30 Jahre lang sein Vorstandsamt inne und war anerkanntermaßen einer der prägendsten Persönlichkeiten in der Genossenschaft. Aufgrund seiner vorangegangenen Tätigkeit bei der Wohnungsbaugenossenschaft Leverkusen, die für den Bayer-Konzern Werkswohnungen baute, verfügte er von Beginn an über die notwendige Erfahrung. Unter seiner Geschäftsführung entwickelte sich die BGD zu einem blühenden und wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Für seine langjährigen Verdienste wurde er von der Stadt Dormagen mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Heinrich Laier prägte nicht nur die Genossenschaft, sondern auch die Stadt Dormagen und besonders den Stadtteil Horrem. Zum Abschied aus Altersgründen bei der Mitgliederversammlung im Juni 2002 wurde er nochmals in besonderer Weise geehrt. Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Schwarze dankte ihm für seine Verdienste in der Genossenschaft, und sein Vorschlag, Heinrich Laier zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit zu wählen, wurde von der Versammlung einstimmig bestätigt. Im Februar 2011 verstarb Heinrich Laier im Alter von 89 Jahren.
Werner Möckel (1969–1992)
Werner Möckel wurde im Dezember 1969 in den Vorstand der Baugenossenschaft Dormagen gewählt. Er folgte auf den verstorbenen Johannes Bock und sorgte als Mitglied des Gemeinderats für eine enge Verbindung zwischen kommunaler Verwaltung und Genossenschaft. Im Sommer 1988 übernahm Werner Möckel die Geschäftsführung der Baugenossenschaft. Bis Ende 1992 war er als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer tätig und begleitete in dieser Zeit grundlegende organisatorische Veränderungen, darunter die Fusion mit der Delrather Genossenschaft. Nach insgesamt 23 Jahren Vorstandstätigkeit legte Werner Möckel im Frühjahr 1992 sein Vorstandsmandat nieder. Seine Amtszeit steht für Kontinuität und für den Übergang zu einer neuen Führungsstruktur.
Neubautätigkeit in den 1980er Jahren
Nach mehreren Jahren ohne eigene Mietwohnungsprojekte gelang der Baugenossenschaft Anfang der 1980er Jahre der Wiedereinstieg in den Neubau. Im Eichenweg 13 bis 19 in Horrem entstanden zwischen 1982 und 1984 vier Häuser mit insgesamt 36 Wohnungen, die gezielt für Seniorinnen und Senioren sowie für deutschsprachige Spätaussiedler aus Osteuropa vorgesehen waren. Ende der 1980er Jahre folgte mit dem Projekt Buchenstraße 19 und Fichtenweg 6 ein weiteres größeres Neubauvorhaben. Hier entstanden insgesamt 43 Wohnungen. Ergänzend schuf die Genossenschaft durch Dachausbauten, unter anderem in der Wieskirchenstraße in Hackenbroich, zusätzlichen Wohnraum. Parallel blieb der Bau von Eigenheimen ein wichtiger Tätigkeitsbereich, unter anderem entlang der heutigen Friedenstraße in Bahnhofsnähe.
Fragen & Antworten
Die Jahre von 1976 bis 1989 waren für die Baugenossenschaft Dormagen eine Phase der Neuorientierung. Sinkende Fördermittel, strukturelle Veränderungen und wachsende Anforderungen an den Wohnungsbestand veränderten die Rahmenbedingungen deutlich. Der Fokus verlagerte sich auf die Sicherung des Bestands, auf Modernisierungsmaßnahmen sowie auf grundlegende organisatorische Anpassungen.
Wie hoch war der Wohnungsbestand der Genossenschaft Mitte der 1970er Jahre?
Bis zum Jubiläumsjahr 1976 war der Wohnungsbestand auf 1.343 Mietwohnungen angewachsen. Zusätzlich verfügte die Genossenschaft über 225 Garagen und 13 gewerbliche Einheiten.
Welche Investitionssummen erreichten die Modernisierungsmaßnahmen Ende der 1970er Jahre?
Allein für neue Fenster und Heizungsanlagen investierte die Genossenschaft zwischen 1977 und 1981 mehrere Millionen DM. Einzelne Modernisierungsabschnitte erreichten Beträge von bis zu 3,8 Millionen DM.
Welche Rolle spielten öffentliche Fördermittel in den späten 1970er und 1980er Jahren?
Trotz rückläufiger Förderprogramme blieb die Genossenschaft auf öffentliche Darlehen angewiesen. Ein Großteil der Neubau und Modernisierungsmaßnahmen wurde über Landes und Bundesmittel abgesichert, ohne die viele Projekte nicht realisierbar gewesen wären.
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