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100 Jahre BGD - Die ersten Nachkriegsjahre

1945–1955 Nachkriegsjahre
1945-1955

Die Jahre zwischen 1945 und 1955 markieren für die Baugenossenschaft Dormagen eG den Übergang vom kriegsbedingten Stillstand zum aktiven Wiederaufbau. Nach der politischen Neuordnung kehrten demokratische Strukturen in die Genossenschaft zurück. Mit der Währungsreform und dem ersten Wohnungsbaugesetz setzte eine Phase intensiver Bautätigkeit ein, in der die Genossenschaft maßgeblich zur Linderung der Wohnungsnot und zur Stabilisierung der Stadtentwicklung beitrug.

Lesedauer: ca. 2 Minuten

 

Die ersten Nachkriegsjahre – Zentrale Rolle für Wiederaufbau und Herstellung von ­be­zahlbarem Wohnraum übernahm 1950 das erste Wohnungs­bau­gesetz

Am 4. März 1945 erreichten amerikanische Truppen Dormagen und drängten die letzten Wehrmachtseinheiten auf die östliche Rheinseite zurück. Noch bis Ende März gab es Kampfhandlungen in und um Dormagen, aber die alliierten Zivilverwaltungsbehörden begannen schon zu arbeiten und setzten Anfang April einen neuen Bürgermeister ein. Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa und ab dem 21. Juni gehörte Dormagen sowie das gesamte heutige Nordrhein-Westfalen zum britischen Sektor.

 

Protokoll der Mitgliederversammlung von März 1949.

Kriegsende, demokratischer Neuanfang und Baugenossenschaft

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen Anfang März 1945 endeten die Kampfhandlungen in Dormagen. Kurz darauf nahmen die alliierten Zivilverwaltungen ihre Arbeit auf, ein neuer Bürgermeister wurde eingesetzt und die politische Neuordnung begann. Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 gehörte Dormagen zur britischen Besatzungszone.

Auch die Baugenossenschaft startete schrittweise in den Neuanfang: Vorstand und Aufsichtsrat blieben zunächst weitgehend bestehen. Erst 1948 führte eine vollständige Neuwahl des Aufsichtsrats wieder die genossenschaftlichen Prinzipien von Mitbestimmung und demokratischen Grundsätzen ein.

 

Die Neuwahl des Aufsichtsrats im Sommer 1948 war ein deutliches Zeichen, dass auch in Dormagen die demokratischen Grundprinzipien der Baugenossenschaften wieder den Ausgangspunkt aller Tätigkeiten bildeten.

 

Briefkopf des gemeinnützigen Bauvereins „Eigenbau“ in den Jahren 1953, 1954 und 1960.

Wohnungsnot und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die ersten Nachkriegsjahre waren von dramatischer Wohnungsnot geprägt: Millionen Wohnungen waren zerstört oder beschädigt, zudem kamen große Ströme von Geflüchteten und Vertriebenen. Staatliche Förderprogramme fehlten, zudem waren Baumaterial, Arbeitskräfte und Kapital knapp. In dieser Situation trugen gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaften eine besondere Verantwortung. Die Baugenossenschaft Dormagen startete mit einem vergleichsweise kleinen, überwiegend älteren Wohnungsbestand, der den aktuellen Anforderungen kaum gerecht wurde. Ein Wendepunkt war das erste Wohnungsbaugesetz von März 1950. Es schuf verlässliche Rahmenbedingungen für den sozialen Wohnungsbau und den Wiederaufbau, förderte bezahlbaren Wohnraum für die am stärksten Betroffenen und entwickelte sich zum Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Professionalisierung der Verwaltung und wirtschaftlicher Aufschwung

Mit der zunehmenden Bautätigkeit stiegen die organisatorischen Anforderungen. Bereits 1948 stellte die Genossenschaft zusätzliches Verwaltungspersonal ein, um Buchhaltung und Geschäftsführung zu entlasten. Johannes Bock blieb Geschäftsführer, übernahm jedoch parallel kommunale Aufgaben. Die Währungsreform 1948 stabilisierte das wirtschaftliche Leben, neue Bilanzen wurden aufgestellt und der Geschäftsanteil neu festgelegt. Der Wiederaufbauboom und das beginnende Wirtschaftswunder führten zu einer Phase intensiver Bautätigkeit, die den Bestand und die Mitgliederzahl der Genossenschaft innerhalb weniger Jahre deutlich wachsen ließ.

Ausweitung nach Hackenbroich und regionale Entwicklung

Ab 1953 weitete die Baugenossenschaft ihre Bautätigkeit erstmals über das ursprüngliche Stadtgebiet hinaus aus, in diesem Fall nach Hackenbroich. Parallel wuchs Dormagen stark; die Einwohnerzahl überschritt Mitte der 1950er Jahre die 10.000er-Marke. Die Stadt wurde zu einem Schwerpunktgebiet des Wohnungsbaus erklärt. Im Rahmen eines umfangreichen Programms realisierte die Genossenschaft ihr bis dahin größtes Bauvorhaben mit über 20 Mietshäusern und mehr als 100 Wohnungen. Seit der Währungsreform 1948 hatten sich Bestand und Mitgliederzahl binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt.

 

Unterm Strich hatte die Genossenschaft den Gang durch die ersten schweren Jahre nach dem Krieg somit relativ gut bewältigt, was keineswegs als selbstverständlich bezeichnet werden kann.

Die Vorstände von 1945–1955

Im Jahr 1932 kam Johannes Bock in den Vorstand, der zuvor in der Gemeinde Dormagen als Amtsobersekretär tätig war. Er übernahm auch die Geschäftsführung der Genossenschaft und brachte das notwendige Fachwissen in die Verwaltung mit ein. Er sorgte für Stabilität und Kontinuität in der schwierigen Zeit von Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg. Trotz der NS-Gleichschaltungspolitik, von der alle Genossenschaften in Deutschland betroffen waren, gehörte er mit kurzer Unterbrechung weiter dem Vorstand als Vertreter der Gemeinde an. Seine Kollegen in dieser Zeit waren Jakob Keinz als Vertreter der IG Farben und Edgar Karp als Vertreter der NSDAP. In den Nachkriegsjahren übernahm Johannes Bock die Geschäftsleitung und später den Vorstandsvorsitz. Er war in den Jahren des Wiederaufbaus eine treibende Kraft der Baugenossenschaft beim Wohnungsbau. Als Mitglied des Vorstands stellte er u.a. die Weichen für das Großprojekt „Horrem Nord“. Bock blieb bis zu seinem Tod 1969 im Alter von 73 Jahren im Vorstand. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Genossenschaft und wirkte während seiner über 40-jährigen Mitgliedschaft viele Jahre in Leitungsgremien mit.

Wiederaufbau und erste Neubauten

Die ersten Neubauten nach dem Krieg entstanden ab 1949 an der Friedrich-Ebert-Straße: zwei Wohnhäuser mit 16 Volkswohnungen, geplant und gebaut vom Dormagener Architekt Karl Weissleder. Parallel entstand an der Gneisenaustraße ein Projekt für Flüchtlingsfamilien; aufgrund der hohen Nachfrage wuchs es auf 20 Häuser mit 56 Wohnungen. In den frühen 1950er Jahren folgten weitere Neubauten an der Goethestraße, Ubierstraße und Helbüchelstraße sowie ab 1953 in Hackenbroich an der Wieskirchenstraße. Die Neubauprojekte verbesserten die Wohnverhältnisse in Dormagen deutlich.

Regionale Bedeutung erlangte auch die Gründung der Baugenossenschaft „Eigenbau“ in Delrath (1949), die zunächst Eigenheime errichtete und später Mietwohnungen baute. Jahrzehnte später wurden diese Wohnungen Teil der Dormagener Baugenossenschaft. Diese Entwicklung gewann für die Dormagener Baugenossenschaft Jahrzehnte später an Bedeutung, als beide Organisationen ihre Geschäfte zusammenlegten.

Bismarckstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Friedrich-Ebert-Straße
Gneisenaustraße
Gneisenaustraße
Goethestraße
Helbüchelstraße
Ubierstraße
Wieskirchenstraße
Wieskirchenstraße
Wieskirchenstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Bismarckstraße
Friedrich-Ebert-Straße
Gneisenaustraße
Gneisenaustraße
Goethestraße
Helbüchelstraße
Ubierstraße
Wieskirchenstraße
Wieskirchenstraße
Wieskirchenstraße

Fragen & Antworten

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg stellten die Baugenossenschaft Dormagen vor enorme Herausforderungen, eröffneten zugleich aber neue Handlungsspielräume. Die folgenden Fragen und Antworten ordnen die Entwicklungen dieser Phase ein und zeigen, wie politischer Neuanfang, Wohnungsnot und wirtschaftlicher Aufschwung die Arbeit der Genossenschaft prägten.

Wie viele Wohnungen hatte die Baugenossenschaft Dormagen direkt nach dem Krieg?

Nach 1945 verfügte die Baugenossenschaft über 102 Mietwohnungen in 50 Häusern, von denen die meisten bereits in den 1920er Jahren errichtet worden waren. Die Bestände waren damit relativ klein im Vergleich zum Bedarf, der durch zerstörte Wohnungen und die Zuwanderung von Flüchtlingen stark angestiegen war.

Wie viele Neubauten entstanden zwischen 1949 und 1955 in Dormagen?

Die Baugenossenschaft errichtete ab 1949 zunächst zwei Wohnhäuser mit 16 Volkswohnungen an der Friedrich-Ebert-Straße. An der Gneisenaustraße entstanden 20 Häuser mit 56 Wohnungen. In den frühen 1950er Jahren folgten weitere Neubauten an Goethestraße, Ubierstraße und Helbüchelstraße. Ab 1953 weitete die Genossenschaft ihre Bautätigkeit nach Hackenbroich aus. Innerhalb von vier bis fünf Jahren entstanden insgesamt 31 Mietshäuser mit 109 Wohnungen, ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Wohnverhältnisse.

Welche organisatorischen Maßnahmen unterstützten die Baugenossenschaft bei der steigenden Bautätigkeit?

1948 wurde zusätzliches Verwaltungspersonal eingestellt, darunter Willi Wulf und Emil Rademacher, die Buchhaltung und Geschäftsführung übernahmen. Johannes Bock blieb Geschäftsführer, wurde aber entlastet, da er parallel als Amtsdirektor tätig war. Diese Professionalisierung war notwendig, um die wachsenden Aufgaben effizient zu bewältigen.

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