
100 Jahre BGD - Gründung der Genossenschaft in Dormagen

Die Lebenssituationen der Bewohner verändern sich mit den Jahren. Neue Bedürfnisse im Wohnbereich entstehen, wenn Menschen den dritten Lebensabschnitt erreichen. Der bedarfsgerechte Umbau des Bades bedeutet für die Mieter einen wichtigen Schritt zur dauerhaften Aufrechterhaltung der Wohn- und Lebensqualität.
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Die Gründung der Genossenschaft – Dormagen wird Teil der rasanten Entwicklung der Rheinprovinz in den 1920er Jahren
Am 7. Dezember 1926 schlossen sich 19 Bürgerinnen und Bürger in Dormagen zur Gemeinnützigen Baugenossenschaft Dormagen zusammen. Die Gründung fiel in eine Zeit, in der in der gesamten Rheinprovinz zahlreiche Bauvereine entstanden und die wirtschaftliche Lage nach Inflation und Rheinlandbesetzung wieder stabiler wurde.

Dormagen im Wandel zur Industriestadt
Dormagen war bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch seine Lage zwischen Köln und Neuss/Düsseldorf ein attraktiver Industriestandort. Erste Betriebe wie eine Zuckerfabrik (1864) und eine Brauerei (1895) leiteten den Wandel vom bäuerlichen Dorf zur industriell geprägten Gemeinde ein.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung stark zu, und der Bürgermeister plante früh die Ansiedlung eines Großbetriebs südlich des Ortes.
Gemeinde, Industrie und Bürgerschaft handelten gemeinsam: Aus ihrer Kooperation entstand eine Genossenschaft, die bis heute für Verlässlichkeit, Zusammenhalt und gutes Wohnen steht.
Industrialisierung und Aufschwung durch IG Farben
Während des Ersten Weltkriegs entstand zwischen Dormagen und Worringen ein großes Produktionsgelände der Farbenfabriken. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren folgte ab 1925 ein neuer Aufschwung: Die IG Farben investierte in ein Kunstfaserwerk, das ab 1927 produzierte. Der enorme Arbeitskräftebedarf führte zu einem starken Zuzug – und zu großem Bedarf an Wohnraum.
Warum eine Genossenschaft notwendig wurde
Mit dem rapide steigenden Wohnungsdruck wurde klar: Dormagen brauchte neue, bezahlbare Wohnungen. Die Baugenossenschaft sollte „minderbemittelten Familien gesunde und zweckmäßige Wohnungen zu billigen Preisen“ bereitstellen – so formuliert in §2 der Satzung. Von Anfang an stand der soziale Gedanke im Mittelpunkt.
Die Gründung der Baugenossenschaft Dormagen im Jahr 1926 war mehr als ein Zusammenschluss engagierter Bürger – sie war der Beginn einer sozialen Wohnbewegung, die den Wandel der Gemeinde nachhaltig prägte.
Stabiler Start und personelle Weichenstellung
Verstärkung im Vorstand und Aufsichtsrat
Mit wachsendem Geschäftsaufkommen wurde die Verwaltung der Baugenossenschaft Dormagen eG frühzeitig verstärkt. 1927 und 1928 traten Heinrich Pfeiffer, Gerhard Wolters, Wilhelm Giesen und Otto Plake dem Aufsichtsrat bei, der nun aus neun Mitgliedern bestand. Auch der Vorstand wurde angepasst: Edgar Karp übernahm 1930 den Posten von Adolf Reuter, Albert Schwarz schied aus, und Johannes Bock trat 1932 als Vorstand und Geschäftsführer ein. Bock brachte Fachwissen und Stabilität in die Verwaltung und prägte die Genossenschaft bis zu seinem Tod 1969.
Erfolgreiches erstes Geschäftsjahr
Finanziell startete die Genossenschaft solide: Das erste Geschäftsjahr endete mit einem kleinen Verlust, im zweiten Jahr erzielte sie bereits einen Reingewinn von 1.500 Mark – ein positives Signal für die weitere Entwicklung. In den folgenden Jahren wuchsen die Rücklagen kontinuierlich, trotz der Belastungen durch den Börsencrash von 1929 und die Weltwirtschaftskrise. Neubauten mussten zwar vorübergehend verschoben werden, die begonnenen Projekte konnten aber fertiggestellt werden.
Optimismus trotz wirtschaftlicher Krisen
Die Baugenossenschaft bewältigte die schwierigen Rahmenbedingungen bemerkenswert stabil. Geplante Neubauten wie das Bauprogramm von acht Einfamilienhäusern 1930 konnten zwar nicht umgesetzt werden, doch die positive finanzielle Entwicklung und die professionelle Verwaltung legten den Grundstein für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung.
Die Vorstände von 1926–1932
Albert Schwarz (1926–1932)
Albert Schwarz gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Baugenossenschaft Dormagen und übernahm nach der Gründung im Dezember 1926 den Vorsitz des Vorstands. Als Amtsbaumeister der Gemeinde Dormagen vertrat er deren Interessen im Vorstand und prägte die frühe organisatorische und finanzielle Ausrichtung der Genossenschaft. Unter seiner Leitung entstand das bis heute prägende Kooperationsmodell zwischen Gemeinde, Genossenschaft und örtlicher Großindustrie. Diese enge Verzahnung sicherte der Baugenossenschaft stabile Finanzierungsgrundlagen, kurze Verwaltungswege und politische Rückendeckung für den Wohnungsbau. Albert Schwarz führte die Genossenschaft durch ihre Aufbauphase sowie durch wirtschaftlich und politisch schwierige Jahre. Seine Tätigkeit als Vorstand legte die strukturellen Grundlagen für den langfristigen Bestand und die spätere Entwicklung der Baugenossenschaft Dormagen.
Johannes Bock (1932–1969)
Im Jahr 1932 kam Johannes Bock in den Vorstand, der zuvor in der Gemeinde Dormagen als Amtsobersekretär tätig war. Er übernahm auch die Geschäftsführung der Genossenschaft und brachte das notwendige Fachwissen in die Verwaltung mit ein. Er sorgte für Stabilität und Kontinuität in der schwierigen Zeit von Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg. Trotz der NS-Gleichschaltungspolitik, von der alle Genossenschaften in Deutschland betroffen waren, gehörte er mit kurzer Unterbrechung weiter dem Vorstand als Vertreter der Gemeinde an. Seine Kollegen in dieser Zeit waren Jakob Keinz als Vertreter der IG Farben und Edgar Karp als Vertreter der NSDAP. In den Nachkriegsjahren übernahm Johannes Bock die Geschäftsleitung und später den Vorstandsvorsitz. Er war in den Jahren des Wiederaufbaus eine treibende Kraft der Baugenossenschaft beim Wohnungsbau. Als Mitglied des Vorstands stellte er u.a. die Weichen für das Großprojekt „Horrem Nord“. Bock blieb bis zu seinem Tod 1969 im Alter von 73 Jahren im Vorstand. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Genossenschaft und wirkte während seiner über 40-jährigen Mitgliedschaft viele Jahre in Leitungsgremien mit.
Die ersten Projekte der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Dormagen
1927 entstanden an der Helbüchelstraße die ersten 20 Wohnungen mit zusätzlichen Mansardenzimmern im Dachgeschoss. Schon 1928 folgte ein kompletter Straßenzug mit 35 weiteren Wohnungen. Planung und Bau übernahm der Dormagener Architekt Adolf Engel gemeinsam mit lokalen Handwerksbetrieben.
Diese ersten Projekte markierten den Beginn einer kontinuierlichen Bautätigkeit, die das Ortsbild nachhaltig prägen sollte.
Fragen und Antworten
1926 gegründet, entstand die BGD aus Bürger-, Gemeinde- und Industrieinitiative. Erste Wohnprojekte schufen bezahlbaren Wohnraum und legten den Grundstein für eine soziale Wohnbewegung, die Dormagen bis heute prägt.
Was war der Antrieb zur Gründung der Baugenossenschaft Dormagen?
Der Antrieb zur Gründung der Baugenossenschaft Dormagen 1926 war der starke Zuzug von Arbeitskräften durch die Ansiedlung der IG Farben und der damit verbundene hohe Wohnungsbedarf. Bürger, Gemeinde und Industrie wollten gemeinsam bezahlbaren, gesunden Wohnraum schaffen. So entstand eine Genossenschaft, die von Anfang an den sozialen Gedanken in den Mittelpunkt stellte und „minderbemittelten Familien zweckmäßige Wohnungen zu billigen Preisen“ bereitstellen sollte.
Wer war 1926 der Gründungsvorstand?
1926 übernahm Albert Schwarz den Vorsitz des Vorstands der neu gegründeten Baugenossenschaft Dormagen. Er war Amtsbaumeister der Gemeinde Dormagen und prägte die organisatorische und finanzielle Ausrichtung der Genossenschaft in den ersten Jahren.
In welchem Ortsteil von Dormagen entstanden die ersten Wohnhäuser?
Die ersten Wohnhäuser der Baugenossenschaft Dormagen entstanden 1927 an der Helbüchelstraße. Dabei handelte es sich um 20 Wohnungen mit zusätzlichen Mansardenzimmern im Dachgeschoss, gefolgt 1928 von einem kompletten Straßenzug mit 35 weiteren Wohnungen.
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